Bundesweiter Warntag: Behörden sind zufrieden | NDR.de – Nachrichten

Stand: 12.08.2022 17:13

Wie gut die behördlichen Notrufe funktionieren, wurde heute mit einem bundesweiten Alarmtag getestet. Erstmals kam das neue Cell Broadcast-System zum Einsatz. Was waren die Besonderheiten von Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern?

Um 11:00 Uhr löste das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) deutschlandweit einen Testalarm mit der höchsten Warnstufe 1 über Rundfunk, Fernsehen, Apps und Notrufsirenen aus. Der Testalarm ist auf 45 Minuten angesetzt. Alles klar, zum Beispiel durch die Warn-Apps Nina und Katwarn. Da es sich um einen Test handelte, mussten diejenigen, die die Warnung erhalten hatten, nichts unternehmen.

Bundesamt: Systeminteraktion funktioniert

„Der Testalarm hat gezeigt, dass unsere technische Infrastruktur robust ist und technische Probleme aus der Vergangenheit behoben wurden“, sagte Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das Zusammenspiel der Systeme funktionierte. Für “endgültige Ergebnisse” sei es jedoch noch zu früh. Möglichst viele Menschen sollen den Behörden Feedback geben, daher die Bitte. Zu diesem Zweck hat BBK eine spezielle Website und ein Formular in der Nina-Alarmanwendung.

Wie wichtig funktionierende Warnsysteme sind, hat zuletzt die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 gezeigt. Die Menschen wurden nicht rechtzeitig über die drohende Gefahr informiert. Es folgte eine Debatte über Verbesserungen. Die Bundesregierung hat unter anderem ein Programm zum Aufbau neuer Sirenennetze aufgelegt. Es wurde auch beschlossen, ein landesweites System von sogenannten zu schaffen Mobilfunk und Fernsehen.

Cell Broadcast: Keine App erforderlich

Am bundesweiten Warntag wurden erstmals umfassende Tests des neuen Warnsystems durchgeführt, das als zusätzlicher Warnkanal Ende Februar 2023 starten soll. Viele Handybesitzer haben bereits eine SMS bezüglich des Tests erhalten. Allerdings gibt es viele Endgeräte, die keine Netzwerknachrichten empfangen können oder für die Nutzer diese Funktion noch aktivieren müssen.

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Eine Frau in gelbem Pullover und dunkler Jeans sitzt im Schneidersitz und hält ein Handy in der Hand.  © dpa-Bildfunk Foto: Fabian Sommer/dpa

Heute hat die Bundesregierung einen Ausnahmezustandstest durchgeführt. Die Neuheit ist die sog Cell Broadcasting – Warnmeldungen auf einem Mobiltelefon. still

Bei Netzwerk-Broadcasts werden Textnachrichten an alle kompatiblen Geräte gesendet, die in der von der Warnung betroffenen Mobilfunkzelle registriert sind. Außerdem sollen die Geräte Schall- und Lichtsignale aussenden, um auf Gefahren wie extreme Wetterbedingungen hinzuweisen. Im Gegensatz zu anderen Warnsystemen wie Nina oder Katwarn benötigen Benutzer keine zusätzliche App, um Warnungen zu erhalten. Mobilfunkübertragungen werden bereits in anderen EU-Ländern eingesetzt.

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Alarmierung auch per App, Funk- und Sprachnachrichten

Am Tag der Warnung wurden aber auch andere Warnsysteme getestet. Warnungen der Behörden wurden im Radio verlesen und auf Medienseiten im Internet veröffentlicht. Sie erschienen auch als Push-Nachrichten auf Smartphones oder auf Werbetafeln im Stadtbild und an Bahnhöfen. Darüber hinaus haben örtliche Zivilschutzdienste lokale Warnsysteme wie Sirenen und Beschallungsfahrzeuge aktiviert.

Nationaler Tag der Warnung: Ausfälle bei Premier 2020

Am ersten Tag der landesweiten Warnung vor zwei Jahren gab es große Stromausfälle. Der Probealarm des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verzögert sich um 30 Minuten. Der damalige Behördenchef musste zurücktreten, Amt und Abläufe sollten in Ordnung gebracht werden. Letztes Jahr gab es keinen Wecktag, weil einige der beschlossenen Änderungen noch umgesetzt werden mussten.

In Hamburg hat alles funktioniert

In Hamburg lösten alle 123 Sirenen im Stadtgebiet einen Probealarm aus. „Alles hat funktioniert“, sagte der Sprecher der Hamburger Innenbehörde, Daniel Schäfer. Nach Beobachtung des Zivilschutzministeriums wurden Testwarnungen auch über digitale Plakate und das zellulare Übertragungsverfahren in Mobiltelefonen verbreitet. Hamburgs Sirenen heulen vor allem im Hafengebiet, das sich von Altona über Mitte und Harburg bis nach Bergedorf erstreckt. Weitere 50 Sirenen sollen in den nächsten Jahren außerhalb sturmflutgefährdeter Gebiete installiert werden. Sie sollen künftig helfen, die Bevölkerung vor Binnenfluten, Starkregen oder anderen Bedrohungen zu warnen. Die Stadt hatte bereits zu Beginn der Sturmsaison am 8. September eigene Warngeräte getestet. Dazu gehören neben Sirenen, Digitalanzeigen und Warn-Apps auch Geschütztürme und Lautsprecherwagen.

Hamburg hat angekündigt, neben der allgemeinen Bundesförderung auch Sturmsirenen auf der Elbe zu aktivieren. Das Sirenensignal – ein einminütiges auf- und abschwellendes Heulen – bedeutet im Notfall: „Es besteht Gefahr! Erfahren Sie mehr!“ Ein völlig klares Signal wurde um 11:45 Uhr mit einem einminütigen Dauersignal gegeben.

Innenminister sieht MV „für Notfälle gewappnet“

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Level freute sich über die Warnung des Tages: „Mecklenburg-Vorpommern ist gut vorbereitet. Kreisleitstellen und kreisfreie Städte konnten wie geplant erreicht und die vorhandenen und technisch ausgestatteten Sirenen aktiviert werden“, sagte der SPD-Politiker. Allerdings können in Mecklenburg-Vorpommern nur 60 Prozent der Bevölkerung im Katastrophenfall durch Sirenen gewarnt werden. Derzeit gibt es 1.600 Sirenen – in der Landeshauptstadt Schwerin nur zwei Standorte. 17 weitere Sirenen sollen dort aufgestellt werden. In Bezug auf die getestete Mobilfunkübertragung sagte der Minister, es sei wichtig, dass Benutzer Updates herunterladen und Benachrichtigungen in den Einstellungen aktivieren. „Diese Warnroute wird für uns zukünftig ein wichtiger zusätzlicher Baustein sein, um im Katastrophenfall möglichst viele Bürgerinnen und Bürger schnell und direkt zu erreichen.“

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Auch bei einem flächendeckenden Stromausfall, dem sogenannten Blackout, stehen alle Behörden, Ministerien und Katastrophenschutzeinrichtungen zur Verfügung. Stromausfall, wie berichtet. „Als Ergebnis können wir sagen: MV ist für den Ernstfall gerüstet.“

Im Schweriner Landtag unterbrach kurzzeitig das Summen mehrerer Handys die Debatte. Der Linke-Abgeordnete Henning Foerster musste seine Rede zur Lohnentwicklung im Nordosten abbrechen, nahm sie aber mit Humor:

„Der NDR kann dann berichten, dass im Plenum viel Aufregung über den Tagesordnungspunkt herrschte.“
Henning Förster (links)

Niedersachsen: Von „guter Arbeit“ zu „Schweigen verstummt“

In Niedersachsen war der Tag der Warnung anders. Überall in Hannover piepten Handys, über die Anzeigetafel in der Haupthalle des Hauptbahnhofs lief ein Textbalken. Nach Informationen des NDR in Niedersachsen erreichte der Probealarm auch die Züge. Auch in den Landkreisen Goslar, Heidekreis und Emsland wurden die Sirenen getestet. Allein im Emsland sollen rund 100 Sirenen losgegangen sein. Das habe so gut funktioniert, dass sogar bei einzelnen Feuerwehren Notrufketten aktiviert wurden, sagte eine Sprecherin des Kreises dem NDR. Zudem informierte die Emsland-App die Bürgerinnen und Bürger über den Testalarm.

Im Landkreis Nienburg wiederum heulten keine Sirenen. Der Landkreis rüste derzeit in allen Bereichen technisch auf digitalen Empfang um, sagte der Sprecher. Gleiches gilt für die Gemeinden Edemissen, Hohenhameln und Wendeburg im Landkreis Peine. Auch in Braunschweig verstummten die Sirenen. Hier lief die Warnmeldung über digitale Hinweistafeln.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, er könne noch keine Bilanz ziehen, aber: „Es gibt keinen solchen Warntag, der beweist, dass es jeder kann.“ Stattdessen wolle man prüfen, „wo es noch nicht funktioniert“ und wo „noch Lücken im System sind“.

„Kein Notfall“: Testmeldeportal für die Leitstelle Oldenburg

Die Leitstelle in Oldenburg wollte den Warntag nutzen, um das neue Meldesystem zu testen. Über die Website Keinnotfall.de soll künftig wichtige Ereignisse melden können, etwa Stürme, bei denen es nicht um Leben oder Tod geht – zum Beispiel ein überfluteter Keller. Die Notrufnummern 112 und 110 sollen entlastet werden.

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SH: Technische Probleme im Rad

Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) sagte, der Test habe in fünf Kreisen funktioniert, teilweise mit leichter Verzögerung. In einem anderen Kreis gab es technische Probleme. „Das zeigt einmal mehr, wie wichtig solche Testläufe sind“, sagte der Minister. Schon im Vorfeld war klar, dass die Sirenen mit einem modularen Warnsystem nicht zentral gesteuert werden können. Notfallleitstellen lassen nach Möglichkeit Sirenen ertönen, so Sütterlin-Waack. „Bis wir in Schleswig-Holstein ein flächendeckendes, zentral gesteuertes Sirenennetz haben, wird es noch einige Zeit dauern. Wir haben noch viel zu tun.”

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und der Energiekrise appellierte Sütterlin-Waack vor dem Warntag an die Menschen, zur Verbesserung des Bevölkerungsschutzes beizutragen, um Schwachstellen zu erkennen und zu beseitigen. Dazu sollen möglichst viele Personen Rückmeldungen an die Behörden geben. Dazu könnten sie Angebote des BBK nutzen. Da voraussichtlich nur jedes zweite Gerät live gehen wird, sei Feedback umso wichtiger, sagte Sütterlin-Waack. In Schleswig-Holstein beispielsweise gelten fast alle der rund 2.600 installierten Sirenen als veraltet. Sie sollen modernisiert und vergrößert werden – doch dafür fehlt offenbar das Geld.

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Große Sendemasten mit mehreren Antennen und Schüsseln auf blauem Grund © picture Alliance / Zoonar Foto: Picture Alliance / Zoonar |  PHOTOGRAFIKA.IT

Heute bereitet die Bundesregierung anlässlich eines bundesweiten Warntags den Ausnahmezustand vor. Die Neuheit ist diesmal die sog Cell Broadcasting – Warnmeldungen auf einem Handy. still

KATWARN- und NINA-App-Logo.  ©NDR

Mobile Sendungen und Apps wie NINA und KATWARN warnen vor Gefahren wie Gewitter. Was berichten sie und wie funktionieren sie? still

Strommasten der Hochspannungsleitung Wahle stehen während der Inbetriebnahme der ersten beiden Abschnitte der Hochspannungsleitung Wahle am Umspannwerk Tennet.  © Ole Spata/dpa Foto: Ole Spata

City Day-Geschäftsführer Dedy sieht Städte und Gemeinden für den Ernstfall gut gerüstet. Dennoch sollten sich die Bürger auf Notfälle vorbereiten. still

Leitfaden zur Notfallvorsorge © Screenshot

2 Minuten

Essen und Trinken für 10 Tage ist eine offizielle BBK-Empfehlung. Der Arbeiter-Samariter-Bund bietet kostenlose Kurse an. 2 Minuten

Diverse Vorräte in der Box © picture Alliance / Zoonar Foto: Olena Mykhaylova

Die Behörden raten den Verbrauchern, Vorräte für Notfälle zu Hause aufzubewahren. Diese Produkte sollten auf jeden Fall dabei sein. still

Dieses Thema im Programm:

NDR-Informationen | NDR-Informationen | 08.12.2022 | 14:00 Uhr

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