Energiekrise: Gefährliche Heizexperimente | tagesschau.de

Stand: 19.11.2022 7:58 Uhr

Gasknappheit, Stromausfälle und gestiegene Energiekosten machen Verbraucher in Sachen Heizung innovativ. Doch Experten schlagen Alarm: Viele Ideen zum alternativen Heizen sind gefährlich.

Jury Sonnenholzner, SWR Mainz

Wenn Georg Dindorf in den sozialen Netzwerken surft, nickt er oft vor dem Bildschirm mit dem Kopf. Er ist Sprecher des Brand- und Katastrophenschutzes in Bad Kreuzknau in Rheinland-Pfalz und seit 43 Jahren Feuerwehrmann. Die “wilden Vorschläge”, die jetzt im Internet zur Überwindung der Energiekrise gemacht werden, finden ihn immer noch nicht gut: “Outdoor-Geräte wie Holzkohlegrills und Terrassenheizer, die mit Gasflaschen betrieben werden und definitiv nur für draußen sind. Verwenden, können, können zu Hause verwendet”, beschreibt Dindorf die gefährlichen Vorschläge. “Es verursacht oft Todesfälle durch Kohlenmonoxidvergiftung.”

Juri Sonnenholzner

Sofortige Kohlenmonoxidvergiftung

Teelichtöfen bereitet ihm große Sorgen: “Wir sehen darin im Winter eine große Gefahr.” Wie schnell so ein selbstgebauter Herd umfällt oder der Sauerstoff im Raum aufgebraucht ist, droht eine Kohlenmonoxidvergiftung. „Oder Paraffinbrände, bei denen einzelne Teelichter schmelzen und zu Fett explodieren, wenn sie mit Wasser gelöscht werden!“ Dindorf ist fest: „Sobald es richtig kalt wird, werden unsere Einsatzzahlen steigen.“

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Auch deutsche Versicherungsunternehmen befürchten eine Zunahme von Brandunfällen. Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, betont:

Wir sind gespannt, welches Abenteuer manche Mieter und Hauseigentümer wagen wollen. Wir raten dringend von riskanten Experimenten ab.”

Immer mehr rauchende Schornsteine

Das Phänomen „Energiemangel macht erfinderisch“ ist auch über den Dächern deutscher Wohnhäuser zu beobachten: Hier rauchen Schornsteine, wo in den Vorjahren nichts in den Himmel stieg. Ofenbauer und Schornsteinfeger haben volle Auftragsbücher. In der Energiekrise denken viele an den Holzkamin, aber nicht alle an die Anforderungen und Bedingungen, die damit einhergehen – ein rauchender Schornstein ist ein sichtbarer Beweis seiner Funktionalität.

„Schornsteinfeger sind professionell darin geschult, sich Schornsteinöffnungen anzuschauen. Sie haben im Laufe der Jahre ein Auge dafür, welche Schornsteine ​​rauchen dürfen und welche nicht“, schmunzelt Daniel Fürst – selbst Schornsteinfegermeister und Präsident des Berufsverbandes. Dann wurde er ernst: “Wir haben leider festgestellt, dass viele Bürger ihre Holzöfen ungeprüft wieder anmachen.”

Es sei illegal und es bestehe Brandgefahr durch Vogelnester, Wespennester oder andere Verstopfungen in einem geschlossenen Schornstein, sagt Fürst: „Wenn nicht vorab geprüft wird, dass die Abgase ungehindert abgezogen werden können, droht Verkokung Kohlenmonoxid im Wohnbereich.”

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Eine weitere Gefahr: Glänzender Ruß, auch unverbrannter Ruß, ist brennbar und kann sich entzünden, wenn er zu stark erhitzt wird. Die möglichen Folgen sind ein Schornsteinbrand, ein geplatzter Schornstein, vielleicht ein Brand in der Zwischendecke – also deutlich mehr Schaden als die eingesparten Energiekosten.

Sogar alte Möbel werden verbrannt

Es raucht zwar oben und darf unten arbeiten, sagt aber nichts über die Zustände unter dem Dach aus: „Wir stellen derzeit fest, dass Anwohner unerlaubte Brennstoffe verwenden: Spanplatten, alte Möbel“, sagt Fürst. . “Brennstoffe sind in kleinen Feuerstellen wie dieser nicht erlaubt.” Auch hier besteht neben Emissionen und Umweltbelastungen die Gefahr eines Schornsteinbrandes.

Solche Fälle sind nicht neu. Allerdings sieht Fürst eine Veränderung im Vergleich zu den Jahren vor der aktuellen Energiekrise:

Ohne richtige Zahlen, ganz ohne Bauchgefühl: Wenn wir ins Haus kommen, ist zu beachten, dass der Kamin mit dem falschen Brennstoff nicht richtig angezündet wird. Viele Anwohner blockieren die Luftzufuhr zu sehr, wodurch das Holz weniger schnell brennt. Für eine rückstandsfreie Verbrennung ist jedoch immer ausreichend Sauerstoff erforderlich.

Fürst versteht die Gründe: „Der Holzmarkt hat sich geleert, und sündhaft teures Bauholz aus dem Baumarkt können sich nicht viele leisten.“ Silvia Oststreicher, Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes, sieht fehlendes Wissen über neu gekaufte oder nach mehreren Jahren wieder angestellte Öfen: „Wer zum ersten Mal heizt, weiß nicht, dass es sich um einen Herd handelt Fehlfunktion. Es bildet sich Rauch.“ Während Druckertinte zu gefährlichen Ablagerungen führt, herrscht bei Zeitungen schnell Aufregung. “Es hilft: Bedienungsanleitung lesen!”

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Sofortiges Feuer von Elektroherden

„Nach unserer Beobachtung sind auch Elektroherde stark im Rennen“, sagt Fürst. “Wir kommen in Häuser und sehen viele elektrische Heizkörper, die an vielen Steckdosen angeschlossen sind.” Auch wenn sie an der Steckdose stecken: „In Gebäuden mit alten Stromkabeln oder vielen Geräten können die Kontakte sehr heiß werden und Feuer fangen“, warnt Asmussen. Es ist zumindest sichtbar, im Gegensatz zu Verbrennungsgasen, die ohne Geruch töten.

Experten sehen Einsparpotenziale beim Heizen nur in neuen, effizienten Anlagen oder – angesichts des Auftragsbestands der Lieferanten – in der Nachrüstung bestehender Anlagen: „Oft sind nach vielen Jahren thermische Regelungen auf Werksanlagen eingestellt. Der Installateur oder die Installationsfirma hat sie geregelt zu heiß , dem potenziellen Kunden, dass die Heizung zu kalt ist. Um Reklamationen vorzubeugen.“ Durch die Modernisierung Ihrer Heizungsanlage können Sie viel Geld sparen. “Die Bürger sollten das zuerst bedenken.”

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