Game-Changer für Haie und Rochen?

Eine Schule von Hammerhaien, die in Korallenriffen auf der Insel Coiba schwimmen, 25 Kilometer vor der Pazifikküste von Panama. Sie bewegen sich langsam in der Strömung am Rand des Riffs, wenn kühleres Wasser aus der Tiefe aufsteigt. Etwa 300 Kilometer nordwestlich von Coiba, in einem Konferenzsaal in Panama City: Mehr als 2.000 Menschen diskutieren in einem großen Konferenzraum, die einzige Kühlung kommt von einer Klimaanlage. Es geht um die Zukunft des Hammerhais, nicht nur des Schaufelhais am Coiba Reef, sondern der fünf anderen Arten in der Familie. Außerdem stehen 54 Arten der Familie der Landhaie und 37 Gitarrenfische auf dem Programm.

Diese Konferenz ist die 19. Konferenz der Vertragsparteien des Washingtoner Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, auch bekannt als CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora). Dieses Abkommen regelt seit 1973 den internationalen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Nun treffen sich die 184 Vertragsstaaten alle drei Jahre und beschließen Änderungen des CITES-Abkommens. Die Konferenz findet vom 14. bis 25. November in Panama City statt. Mit Panama hat die diesjährige CITES-Konferenz einen Gastgeber, der Pionierarbeit im Haischutz leisten will.

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Nach nur vier Verhandlungstagen wurde am Donnerstag vergangener Woche eine historische erste Entscheidung getroffen: Die Vertragsparteien einigten sich darauf, alle betroffenen Arten von Grund- und Hammerhaien sowie die Familie der Geigenbarsche in den Anhang II des CITES-Abkommens aufzunehmen . . Mehr als 100 Arten müssen vor Überfischung geschützt werden. So große Artengruppen unter Schutz zu stellen, ist ein Meilenstein für den Meerestierschutz. Die Entscheidung wird jedoch erst dann endgültig, wenn sie vom Plenum der Vertragsstaaten am kommenden Freitag, den 25. November, genehmigt wird.

Die Bedrohung durch Haie durch Überfischung

Wenn dies jedoch so bleibt, wird es ein echter Spielveränderer für das Überleben von Haien und Rochen sein. Weil sie dringend besser geschützt werden müssen: Knorpelfische sind nach den Amphibien die zweitgefährdete Gruppe der Wirbeltiere. Ein Drittel der mehr als 1.200 Arten ist derzeit bedroht. Die Artenkrise unter Wasser ist sehr ernst. Eine Studie mit beköderten Kamerafallen ergab, dass 20 Prozent von mehr als 1.200 untersuchten Korallenriffen keine oder fast keine Haie hatten.

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Die Hauptursache für den Rückgang der Hai- und Rochenpopulationen ist klar: Überfischung. Schätzungsweise 100 Millionen Haie und Rochen werden weltweit jedes Jahr von Menschen getötet. Ihr Fleisch, einschließlich der Flossen, dient uns als Nahrung, ihr Lebertran und ihre Knorpel werden schließlich als Rohstoffe in der pharmazeutischen und kosmetischen Industrie verwendet und ihre Haut wird zu Leder verarbeitet. Laut einer Analyse sind die Bestände allein von 18 Meeresarten seit 1970 um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, da die Fischerei im gleichen Zeitraum um das 18-fache zugenommen hat.

Hammerhaie, für die Vertragsstaaten strengere Vorschriften erlassen haben, werden in erster Linie wegen ihrer Flossen gefangen. Wenn Haifischflossensuppe zubereitet wird, gilt sie in Asien als besonderes Gericht. Das erklärt auch, warum gerade asiatische Länder auf der CITES CoP19 gegen einen besseren Schutz von Haien und Rochen mobil machen. Vor allem aber brachten sie ein (falsches) Argument vor: Sobald Haie in Anhang II von CITES aufgenommen sind, können sie nicht mehr kommerziell gefangen werden. Dem ist aber nicht so, es gibt nur Sonderregeln für den internationalen Handel dieser Arten. So muss beispielsweise für Einzelhändler sichergestellt werden, dass eine weitere Entnahme die entsprechenden Bestände nicht gefährdet. Die betroffenen Länder müssen geeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen ergreifen, um ihre Hai- und Rochenbestände zu erhalten.

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Ich habe wirklich Gänsehaut bekommen, als die Entscheidung getroffen wurde, über 90 % aller gehandelten Hai- und Rochenarten besser zu schützen. Zu Beginn meiner Karriere waren unvorstellbare Haie berüchtigt. Laut dem Film Jaws von 1975 war nur ein toter Hai gut. Die Haie hatten keine Lobby. Dass heute alles anders ist, ist auch der unermüdlichen Aufklärungsarbeit über Haie zu verdanken. Sie sind so unersetzlich wie Strahlen. Sie halten Ökosysteme intakt und sorgen für gesunde Fischbestände, auf die Millionen Menschen angewiesen sind. Und egal an den bunten Riffen von Panama oder der Nordsee: Sie sind erstaunliche und einzigartige Kreaturen, die bereits fünf Massensterben in der Erdgeschichte überlebt haben. Es wäre schade, wenn sie jetzt Opfer der Überfischung würden. Bis zur Schlussabstimmung auf der CITES-Konferenz am kommenden Freitag ist es nun wichtig, dass sich nicht zu viele Vertragsstaaten hinter den Kulissen beeinflussen lassen.

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