Großstädte planen Verbotszonen: Wo an Silvester geböllert werden darf – und wo nicht

Großstädte planen No-Go-Zonen
Wo man an Silvester abrocken kann – und wo nicht

Aufgrund des Coronavirus gilt an Neujahr 2020 und 2021 ein Verkaufsverbot für Böller. In diesem Jahr ist das zwar unwahrscheinlich, aber Feuerwerk ist nicht überall zu erwarten: Mehrere deutsche Großstädte wollen Pyrotechnik in bestimmten Zonen verbieten.

Nach zwei Jahren ohne Raketen- und Kräckerverkauf soll Silvester auch dieses Jahr wieder laut und bunt werden. Einige Stadtteile mehrerer deutscher Städte haben laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zum 31. Dezember Feuerwerkskörper verboten. Mit einem Verkaufsverbot und einem Kauf- und Hortverbot für Silvester und Neujahr ist allerdings nicht zu rechnen. Sie wurden Anfang dieses Jahres verhängt, um Krankenhäuser vor Überlastung während der Coronavirus-Pandemie zu schützen – indem sie Verletzungen durch platzende Feuerwerkskörper an Silvester in den Jahren 2020 und 2021 verhindern. Die Entscheidung, das Knallen von Böllern am Neujahrstag zu verbieten, liege nun in den Städten und Landkreisen, teilte das Umweltministerium der Union mit.

Berlin soll unter anderem eine waffenfreie Zone am Alexanderplatz haben. Solche Zonen hat der Senat erstmals 2019 veröffentlicht und bis Anfang 2021/22 54 Verbotszonen auf großen Plätzen, Straßen und Parks eingerichtet, in denen das Abfeuern und Darstellen von Feuerwerk verboten ist. Allerdings sei ein solches Verbot nur möglich, wenn eine Epidemie von nationaler Bedeutung festgestellt werde, sagte der Senat. Nichts mehr.

Viele Großstädte in Nordrhein-Westfalen verlangen aus Sicherheitsgründen eine waffenfreie Zone am Neujahrstag, zum Beispiel in Köln, Düsseldorf und Bielefeld. In München wird am 31. Dezember Feuerwerk im Inneren des Mittleren Rings verboten, während in Nürnberg Bereiche rund um den Hauptmarkt und in der Kaiserburg nach Angaben der Stadt “zum Schutz der dortigen Menschenmenge” und denkmalgeschützte Gebäude bestehen bleiben Feuerwerk in Teilen von Regensburg, Bremen und Hannover In Hamburg und Frankfurt ist ein Verbot anhängig, aber noch nicht entschieden, während Chemnitz dagegen keine Grundlage für ein Verbot sieht.

Generell gilt deutschlandweit: In Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen und insbesondere in der Nähe von brandgefährdeten Gebäuden dürfen keine Pyrotechnik, also Böller oder Raketen, gezündet werden. Manchen reicht das nicht. Die deutsche Umwelthilfe setzt sich für ein Ende privater Silvesterfeuerwerke ein, die unter anderem eine hohe Feinstaubbelastung durch Silvesterknaller und -raketen, das Müllaufkommen und die Tierbelastung aufweisen.

Die Gewerkschaft der Polizei hat darauf bestanden, dass private Feuerwerkskörper verboten werden sollten

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) unterstützt ein generelles Verbot des privaten Anzündens von Silvesterfeuerwerk. Aufgrund der Produktion von enormen und völlig unnötigen Schadstoffen und Müllbergen auf den Straßen am Neujahrsmorgen sei diese Aktion für viele zwar schmerzhaft, aber sinnvoll, sagte GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke. Dies gilt umso mehr angesichts der hohen Unfallgefahr – insbesondere im alkoholisierten Zustand -, Böller- und Raketenangriffen auf Polizei, Feuerwehr und Sanitäter, Sachbeschädigungen und Stress für viele Menschen und Tiere durch platzende Böller.

Kobelke forderte eine Konferenz der Innenminister und Unionsinnenministerin Nancy Fazer, um das Problem umgehend zu lösen. Eine Novelle des Sprengstoffgesetzes könnte durchaus ein Szenario für ein vollständiges Verbot des privaten Sprengens von Böllern schaffen. Allerdings muss auch dort ein Umdenken ansetzen.

Der Bundesverband Pyrotechnik, ein Zusammenschluss von Berufs- und Hobbyböllern, argumentiert hingegen, dass ein Verbot von Kleinfeuerwerk vor der eigenen Haustür oder im Garten keine Entlastung für Krankenhäuser bringe. Die meisten Verletzungen in Notaufnahmen sind auf alkoholbedingte Unfälle zurückzuführen.

Nach Angaben des Pyrotechnischen Industrieverbandes verzeichnete die Branche 2019 einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro. Nach Angaben des Umweltbundesamtes werden jährlich etwa 2050 Tonnen Staub durch brennende Feuerwerkskörper freigesetzt, davon 1500 Tonnen in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht einem Prozent der gesamten jährlich in Deutschland emittierten Feinstaubmenge.

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