Hanna in der Paarberatung (nd-aktuell.de)

Das Wichtigste an toxischen Beziehungen ist, dass die Dinge nicht so bleiben können, wie sie sind.

Das Wichtigste an toxischen Beziehungen ist, dass die Dinge nicht so bleiben können, wie sie sind.

Foto: Photocase/Addictive Stock

Auf Twitter ging vergangene Woche ein Liebesbrief viral – vor allem an die deutsche Wissenschaft. Geschrieben hat es Amri Bahr, einer der prominenten Urheber des Hashtags #ichbinHanna, unter dem Kritik an den prekären Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft gesammelt wird. Hanna vertritt sogenannte junge Wissenschaftler, die unter unsicheren befristeten Verträgen und unbezahltem Arbeitsstress leiden. Nachdem sich Hannah mit ihrer wissenschaftlichen Karriere glücklich in eine Beziehung stürzt, ist die Romanze-Phase nun vorbei. Es ist passiert, was viele von Hannas älteren Kollegen vorausgesagt haben: Alam erweist sich als schlechter Partner, weil er immer ohne Geben braucht und ständig verlangt, dass Hanna sich beweisen muss.

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Es als Liebesbrief zu bezeichnen, ist also nicht korrekt. Schließlich handelt es sich um einen allgemeinen Brief, der auch als Hilferuf interpretiert werden kann. Denn was Hannah beschreibt, erinnert sehr an eine toxische Beziehung, in der die Bedürfnisse des einen Partners die einzige Priorität sind, während die Bedürfnisse des anderen ignoriert werden. In diesem Sinne erzählt der Brief von den vielen Opfern, die Hannah bringen musste, um die Beziehung am Laufen zu halten: Umzug, unbezahlte Überstunden, befristete Verträge, zerbrochene soziale Bindungen zu anderen Freunden.

Die These ist keine gute Nachricht. Denn anstatt sich aus der vergifteten Beziehungsstruktur zu befreien, wird Hannahs Brief zu einem Liebesbrief. Henna ist in erster Linie um das Wohlergehen ihres geliebten Alam besorgt. Ein besserer Umgang mit Henna, also jungen Wissenschaftlern, kommt letztlich der Wissenschaft selbst zugute. Dadurch verfällt er wieder in seine eigene Unterwürfigkeit, die seine eigenen Wünsche hinter die des anderen stellt. Henna zählt nur für wissenschaftliche Zwecke.

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In der Paarberatung wird dieses Verhalten als Fortsetzung einer toxischen Beziehung angesehen. Die Alternative ist, die Beziehung zu beenden oder daran zu arbeiten, was natürlich Bereitschaft auf beiden Seiten erfordert. Die #ichbinHanna-Bewegung hat es sich zur Aufgabe gemacht, für diesen Wunsch nach Veränderung zu kämpfen. Das bedeutet aber, dass die Spielregeln nicht mehr nur von einer Seite bestimmt werden. Stattdessen bedarf es einer gleichberechtigten Beziehung, in der unterschiedliche Bedürfnisse vermittelt werden können. Dies erfordert eine Demokratisierung der Art und Weise, wie Wissenschaft betrieben wird.

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Diese dringende Organisation betrifft nicht nur das wissenschaftliche Personal und die Fakultät, sondern alle, die in akademischen Einrichtungen arbeiten. Denn Hina ist nicht die erste Person, die ausgebeutet und entleert wurde. Schon vor Hanna hat die Wissenschaft unter Umgehung von Tarifverträgen fast alle nicht-wissenschaftlichen Dienstleistungen ausgegliedert und ausgelagert. Wenn Hannah nicht möchte, dass ihr dasselbe passiert, könnte es sich für sie lohnen, über das romantische Paar hinauszublicken und sich mit denen zu verbinden, die die Wissenschaft schon immer verachtet hat.



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