Interview | Beachvolleyballerin Laura Ludwig: “Ich habe gemerkt, dass es geht, Sport und Familie zu kombinieren”

Vorstellungsgespräch | Beachvolleyballerin Laura Ludwig

“Mir ist aufgefallen, dass man Sport und Familie kombinieren kann”


Laura Ludwig erhält den Ball (Bild: IMAGO/Beautiful Sports)

IMAGO/Schöner Sport

Audio: rbb24-Inforadio | 16.11.2022 | Flynn Jacobs | Foto: IMAGO/Schöner Sport

2016 wurde Laura Ludwig Olympiasiegerin im Beachvolleyball. Seitdem wurden der Berlinerin zwei Kinder geboren, zweimal kehrte sie in den Sand zurück. Apropos Vereinbarkeit von Mutterschaft und Profisport.

Es dauert einige Zeit, bis Laura Ludwig ihr Handy mit dem Auto verbindet. Der Berliner Beachvolleyballer ist viel unterwegs und viel beschäftigt. Im Mai dieses Jahres wurde Ludwig zum zweiten Mal Mutter, Anfang November kehrte sie zum zweiten Mal als Profi-Beachvolleyballerin in den Sand von Kapstadt zurück. Die Summe dieser beiden Faktoren ist ein stressiger Alltag. Zeit zum Reden findet der 36-Jährige noch.

rbb|24: Laura Ludwig, Sie sind im Frühjahr zum zweiten Mal Mutter geworden. Wie hat es sich angefühlt, nur ein halbes Jahr später wieder beim Turnier in Kapstadt dabei zu sein?

Laura Ludwig: Wirklich gut! So gut, dass ich jetzt noch sicherer sein kann, dass ich Bock habe. Zu wissen, dass es die richtige Entscheidung war, dem Beachvolleyball treu zu bleiben. Es hat viel Spaß gemacht und der Wettkampfgeist ist immer noch da.

Es klingt sehr positiv. Gab es Momente, die Ihnen nicht so gut gefallen haben?

Nichts hat wirklich gefallen. Luise (Ludwigs Lebensgefährtin Louise Lippmann, Vs. der Editor), und ich wusste, dass wir es noch nicht toppen würden. Ich bin einfach nicht fit genug, um zwei Spiele am Tag zu spielen, wie ich kann. Ich habe noch nicht den Schwung, ich habe nicht die Ausdauer und ich habe noch nicht das richtige Gewicht. Es ist sechs Monate her, seit Lenny geboren wurde, und es braucht Zeit.

Nach der Geburt deines ersten Sohnes Theo im Sommer 2018 bist du nach einer Babypause zum zweiten Mal in den Beachvolleyball zurückgekehrt. Sie brauchen Erfahrung?

Ja auf jeden Fall. Ich habe das alles schon einmal durchgemacht und festgestellt, wie einfach es ist, es ruhig angehen zu lassen. Ich habe verstanden, dass es möglich ist, Sport und Familie zu verbinden. Beim ersten Mal hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, weil Theo nicht bei mir war, ich habe ihn in unserer Abwesenheit zu seinen Eltern nach Berlin gegeben oder ihn ab einem Alter von vier Monaten in den Kindergarten geschickt. Jetzt weiß ich, dass es gut funktioniert. Wir brauchten sicherlich ein kleines Dorf, um ihn großzuziehen, aber er ist ein glücklicher, gesunder Junge. Also nehme ich alles etwas gelassener.

Vom Verein bekommt man zumindest verbale Unterstützung. Aber die Strukturen fehlen ein bisschen – wie in vielen anderen Bereichen.

Laura Ludwig

Wie können wir uns Ihren Alltag als Profisportlerin und Mutter vorstellen?

Jetzt versuche ich bis 16 Uhr mit dem Sport fertig zu sein. Jetzt haben wir auch noch einen Keller fürs Krafttraining gebaut, damit ich abends nirgendwo mehr hingehen muss. Sonst habe ich morgens Training und muss dann zur Physiotherapie oder zum Teammeeting. Dann gehe ich zum Mittagessen nach Hause und hole dann meinen Großen von der Kita ab. Dann unterhalten sie zusammen mit ihrem Mann die Kinder, essen zu Abend und gehen wieder schlafen.

Erhalten Sie Unterstützung vom Verein oder von Ihren Sponsoren?

Ich hatte großes Glück mit meinen Sponsoren, die mich während meiner zweiten Schwangerschaft unterstützt haben und dies auch weiterhin bis 2024 tun werden. Das ist eine große Hilfe. Vom Verein bekommt man zumindest verbale Unterstützung. Du hörst, dass die Leute an dich glauben und dass die Leute glücklich sind, wenn du nach der Schwangerschaft wiederkommst. Aber die Struktur fehlt ein bisschen – wie in vielen anderen Bereichen.

Wie meinst du das?

Ich denke, Mutter zu sein ist auch in vielen anderen Berufen sehr schwierig. Ich habe neulich mit einer Moderatorin gesprochen, die zwei Wochen nach der Geburt wieder arbeiten musste, sonst hätte sie ihren Job verloren. Jedes Mal, wenn ich so etwas höre, bekomme ich Gänsehaut. Es fehlen also nicht nur im Sport Strukturen, um Familie und Beruf zu vereinbaren.

Zurück zum Sport: Ihre neue Partnerin Louise Lippmann war bis vor kurzem noch im Fitnessstudio aktiv, nicht im Sand. Was ist das Problem?

Louise muss sich noch an Beachvolleyball gewöhnen. Ihr beide seid im Bikini auf dem Feld und da müsst ihr euch erstmal wohlfühlen. Wir haben uns gerade auf dem Feld getroffen. Wie wir mit Stresssituationen umgehen, wie wir kommunizieren und welche Codewörter wir verwenden, müssen wir noch herausfinden. Aber zu sehen, dass Louise eine harte Arbeiterin ist, die unbedingt Beachvolleyballerin werden möchte, aber auch die damit verbundenen Herausforderungen versteht, macht es einfacher.

Was sind die größten Unterschiede, die den Umstieg vom Hallenvolleyball zum Beachvolleyball so schwierig machen?

Es sind einfach zwei verschiedene Sportarten. Du verwendest unterschiedliche Muskeln, hast unterschiedliche Techniken, spielst draußen und nimmst an jeder Aktion teil. Sie sind mental fast auf sich allein gestellt. Louise fällt dieser Schritt also sehr schwer. Aber sie ist so ein sportliches Tier, dass wir froh sind, sie gerade beim Beachvolleyball spielen zu haben.

Gemeinsam haben sie sich die Olympischen Spiele 2024 in Paris zum Ziel gesetzt. Wie sieht Ihre Reise dorthin im nächsten Jahr aus?

Jetzt werden wir zwei Monate trainieren und uns dann mit dem Thema Versammlungen befassen. Ab Januar fahren wir jeden Monat ins Camp und ab März starten die Turniere.

Ich bin sehr gerne Mama, aber ich brauche auch etwas für mich, wo ich mich auspowern und meine Ziele erreichen kann.

Laura Ludwig

Nehmen Sie Ihre Kinder manchmal zu solchen Camps und Turnieren mit? Oder bleiben sie in der großen Kette zu Hause?

Am liebsten würde ich sie mitnehmen und Theo fragt schon, wann wir wieder fliegen, wann er wieder trainieren kann. Also will er da sein, während ich alles ein bisschen herunterbreche. Ich muss mich erst einmal mit dem Team zurechtfinden, und wenn Kinder da wären, würde viel Konzentration verloren gehen. Aber ich hoffe, dass wir in einem der Camps Sport und Familie verbinden können. Dass wir zusammen mit unseren Kindern, mit unserem Mann und vielleicht mit unseren Eltern ein Lager haben würden. Generell wäre es aber schwierig, die Familie immer über die ganze Saison mitzunehmen – auch aus finanzieller Sicht.

Sie wurden 2016 Olympiasiegerin, brachten dann zwei Kinder zur Welt und kehrten zweimal zurück. Was treibt Sie nach all Ihren sportlichen Erfolgen an?

Beachvolleyball ist meine Leidenschaft, mein Beruf und auch mein Beruf. Ich möchte weitermachen und versuchen, das bestmöglich mit dem Leben einer Mutter in Einklang zu bringen. Ich glaube, dass jeder Ziele im Leben braucht – ob groß oder klein. Ich bin zum Beispiel sehr gerne Mama, brauche aber auch etwas für mich, wo ich mich auspowern und meine Ziele erreichen kann.

Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Jonas Bürgener, rbb Sport.

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 16.11.2022, 12:15 Uhr


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