Moore im Herbst: So schaurig-schön sind Feuchtgebiete in Deutschland

inDas ist das Geheimnis – bei jedem Schritt, den er trifft, beginnt der Boden sanft zu vibrieren. Der Mensch spürt und fühlt den bodenlosen Abgrund, tückisch. Da Schwingmoorrasen, die frei schwimmende Pflanzendecke, die vom Ufer in Richtung See wächst, einsturz- und ertrinkgefährdet sind, sollte das Grambower Moor nur abseits des Naturlehrpfades mit fachkundiger Führung besucht werden.

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Weil Menschen darin nicht schwimmen können. Man denke an die ledrigen Moorleichen, die in vielen Museen liegen. Er liegt bis zu acht Meter tief unterhalb der Schwingmoorwiesen, die wie in anderen Feuchtgebieten zur Torf- und CO-Bildung beitragen2– Trägt zur Lagerung bei. Seit mehr als 200 Jahren wird dort Torf abgebaut, heute zählt das Grambower Moor aufgrund seiner Artenvielfalt zu den wertvollsten Feuchtgebieten Mecklenburg-Vorpommerns.

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Im Frühjahr trägt die Pappel Früchte und setzt weiße Flecken, der Sonnentau lockt Fleischfresser in den Untergang, das Sumpf-Felsenkraut setzt an offenen Gewässern einen fast exotischen Akzent – ​​es blüht weiß, und die Früchte sind orangerot. Rund 870 Schmetterlingsarten und knapp 30 Libellenarten haben Forscher im Grambower Moor dokumentiert. Mit einer Flügelspannweite von 5,5 bis 6,5 Zentimetern gehört der Große Moosjungfer zu den großen, für Regensümpfe typischen Großlibellenarten in Europa und steht unter europäischem Schutz.

Mauren in Deutschland

Quelle: Infografik WELT

Das Naturschutzgebiet Grambower Moor umfasst etwa 570 Hektar. Der vom Verein eingerichtete Rundwanderweg kann ganzjährig genutzt werden. Von April bis August besteht die Möglichkeit, eine geführte Wanderung über den Verein oder die Infostelle auf Gut Grambow zu organisieren. Außerdem gibt es eine Dauerausstellung über Flora und Fauna, die Geschichte des Torfabbaus und die geplante weitere Renaturierung. (grambower-moor.de)

Rotes Moor in der Rhön

Nach dem Regen steigen Nebelschwaden aus dem Sumpf auf. Der Wind heult über das karge, offene Land und bringt Vogelgezwitscher. Einsam ist es heute Abend im Dreieck zwischen Hessen, Thüringen und Bayern.

Das Rote Moor, 50 Hektar groß und 800 Meter über dem Meeresspiegel, ist eine Art Schwamm, der reichlich Regen aufnimmt. Am Anfang des Besucherpfades befindet sich ein See mit unfassbar dunklem Wasser, Schilf im Wind wiegend. Der Gehweg führt durch einen lichten Birkenwald, und der Boden ist mit üppigen Polstern aus saftigem Moos, Farnen und Beerensträuchern bedeckt. Auch in den Feuchtgebieten der Rhön dürfen zum Natur- und Artenschutz keine Wege verlassen werden.

Rotes Hochmoor in der Rhön: Der Weg führt durch den karpatischen Birkenwald

Die Promenade führt durch den karpatischen Birkenwald in den Roten Sumpf

Quelle: pa/Beate Schleep

Spinnweben hängen an trockenen Birkenzweigen, der Abendnebel beginnt sich darauf zu legen, wenn die Temperatur sinkt. Im späten Licht wird der Rit-Wald zunehmend düsterer, aber auch stimmungsvoller. Ein Vogel ruft ins Ödland; sie scheinen nie näher zu kommen. Es ist immer mysteriös.

Während es zu anderen Jahreszeiten Wanderer anzieht, gleiten im Winter Langläufer in den Trailpark – gute Bedingungen vorausgesetzt. Das Feuchtgebiet ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Rhön. Mittendrin verläuft ein Rundweg von drei Kilometern, davon 1,2 auf Brettern.

Von der Aussichtsplattform aus sind die ehemaligen Torfabbaugebiete besonders gut zu sehen. Es wurde von 1809 bis 1984 zunächst als Brennmaterial und ab 1837 als Rohstoff für Moorbäder in Heilbädern an der Rhön abgebaut. Heute ist der Hügel Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. (rhoentourist.de)

Hohes Venn zwischen Deutschland und Belgien

Das Hohe Venn, ein großes Feuchtgebiet im Rheinischen Schiefergebirge, liegt auf einer Hochebene. Die 60.000 Hektar große Hochmoorlandschaft auf der Hochebene ist das Juwel des deutsch-belgischen Naturparks Hohes Venn. Die meisten Feuchtgebiete befinden sich im Nachbarland. Einsam, karg und unter dem ständigen Wind, wirkt es eher grenzwertig und wie ein Lebensraum. Aber es gibt auch eine große Artenvielfalt.

Wandert man durch den Wald – zum Beispiel vom Kalterherberg in Monschau – bis zur Marsch, hört man im Herbst die Hirsche röhren. Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, leuchtet das Sumpfgras orange bis zum Horizont. Wenn Sie frühmorgens im Licht der aufgehenden Sonne durch den Herbstnebel kommen, können Sie Enten auf Sumpfteichen mit bewaldeten Inseln beobachten.

Auf den Trails, die durch das Hohe Venn führen, fühlt man sich weit weg vom Rest der Welt

Auf den Trails, die durch das Hohe Venn führen, fühlt man sich weit weg vom Rest der Welt

Quelle: pa/Jochen Tack

Auch hier führen die Steige tief in die unberührte, raue Landschaft hinein. Es geht an düster funkelnden Teichen und Seen vorbei. Knorrige Bäume aus flauschigen Birken oder Silhouetten von Weidenbüschen wirken wie ungewöhnliche Schöpfungen der Fantasie. Kahl und still schafft die endlose Weite ein Gefühl der Distanz zum Rest der Welt, von allen Orten an der Staatsgrenze.

Ganzjährig wird ab Monschau eine zweistündige geführte Gruppenwanderung angeboten. Informativ ist auch das Naturparkzentrum Botrange, der Verwaltungssitz des belgischen Naturparkgebiets. (monschau.de; naturpark-eifel.de; botrange.be).

Veliki Moor in Niedersachsen

Blutrote Blätter liegen im Wasser, Blätter glänzen wie Messing an den Bäumen. Oscorus Beeren: leuchtend orange. Der Wind flüstert in den Kronen seltener Krüppelbirken. Dann wird der Wind stärker, die Wolken werden dunkler. Das ist heutzutage das Goldenstedter Moor in Niedersachsen. Schauer fallen, Regenspuren ziehen über das weite, offene Land.

Zusammen mit anderen Feuchtgebieten bildet das Goldenstedter Moor eine der größten Hochmoorlandschaften Deutschlands

Zusammen mit anderen Feuchtgebieten bildet das Goldenstedter Moor eine der größten Hochmoorlandschaften Deutschlands

Bildnachweis: pa/imageBROKER/Willi Rolfes

Abgeschiedenheit von der Außenwelt ist hier das Schlüsselwort, wie auch in anderen Feuchtgebieten der Gegend. Das Goldenstedter Moor ist nur ein Teil des Großen Moores zwischen Vecht und Diepholz, das aus mehreren Feuchtgebieten besteht, wie dem Steinfelder Moor oder dem Boller Moor. Zusammen bilden sie mit 640 Hektar eine der größten Hochmoorlandschaften Deutschlands.

Sonnenaufgang am Goldenstedter Moor im Herbst

Sonnenaufgang am Goldenstedter Moor im Herbst

Quelle: pa/Zoonar/Olaf Jürgens

Kilometerlange Wege führen in eine parallele Wasserwelt, in der sich Birken und Eichen spiegeln. Kommt Wind herein, verwandelt er die Bilder in verzerrte Muster. Hier ist es einsam, aber nicht menschenleer. In der Nähe des Sumpf-Informationszentrums stehen Menschen mit Linsen am Wasser. Es ist auch Zeit für Kraniche auf Veliko rit. Im Herbst versammeln sich Tausende zum Zug nach Süden.

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Kraniche zeigen ihre Federn während der Balz.  Um ihre lauten Duettrufe von sich zu geben, neigen sie ihre Köpfe nach hinten

Bei Einbruch der Dämmerung erklingt das typische Vogelgezwitscher, eine Melodie voller Melancholie und Sehnsucht. Sie kommen, Hunderte, manchmal Tausende. Formation um Formation nähert sich der Landung – zunächst in Wellen und weiteren Kreisen, doch dann scheinen die Vögel mit wildem Gebrüll auf einen Schlag vom Himmel zu fallen. Die Kraniche haben ihre Zuflucht irgendwo im Moor gefunden, wo niemand hingeht.

Darter ist einer der Bewohner des Goldenstedter Moors

Darter ist einer der Bewohner des Goldenstedter Moors

Quelle: pa/Zoonar/Olaf Jürgens

Das Goldenstedter Moor beispielsweise kann nicht nur unterirdisch auf einem 900 Meter langen Weg durch die Marsch, sondern auch in einem Marschstollen erkundet werden. Ausgangspunkt ist das Naturschutz- und Informationszentrum „Das Haus im Moor“. (niz-goldenstedt.de)

Zwillbrocker Venn zwischen Münsterland und den Niederlanden

Die letzten Blätter funkeln aus den Baumwipfeln, der Blick fällt auf das offene Meer, auf die Moore und Sümpfe. Halb versunkene Bäume liegen im Teich. Schaurig schön ist der Herbst auch im Zwillbrocker Venn, an der Grenze zwischen dem Münsterland und den Niederlanden.

Das ferne Läuten einer Kirchenglocke ist zu hören, eintönig wie eine Totenglocke. Ein Schwarm Lachmöwen flog vorbei. 10.000 Exemplare leben hier inmitten von Feuchtwiesen, Mooren und Heiden, die sich über 176 Hektar erstrecken; es ist die größte Landkolonie dieser Vögel in Deutschland.

Malerisch ist die Auenlandschaft des Zwillbrocker Venns bei Vreden im Münsterland

Malerisch ist die Auenlandschaft des Zwillbrocker Venns bei Vreden im Münsterland

Quelle: pa/Bildarchiv DUMONT/Jörg A. Fischer

Von Frühling bis Sommer nehmen die Geheimnisse des Venn – was auf Niederländisch Teich bedeutet – ein fast verrücktes, gelinde gesagt, unerwartetes Gesicht an: Dann fliegen die rosafarbenen Vögel aus ihren Winterquartieren ein. Flamingos sind es, die sich hier paaren, fortpflanzen und ihren Nachwuchs großziehen.

Die Bilder sind skurril: Flamingos suchen nach Nahrung, Rinder stehen vor knorrigen Eichen auf nahen Weiden. Sie sind seit den 1980er Jahren während der Brutzeit hier, aber es ist nicht ganz klar, woher sie kommen. Sie sind wahrscheinlich Ausreißer aus öffentlichen Vogelparks oder Privatgrundstücken.

Von Frühling bis Sommer können Sie im Zwillbrocker Venn Flamingos beobachten;  hier paaren sie sich, paaren sich und ziehen ihre Nachkommen auf

Von Frühling bis Sommer können Sie im Zwillbrocker Venn Flamingos beobachten; hier paaren sie sich, paaren sich und ziehen ihre Nachkommen auf

Quelle: pa/augenklick/firo Sportphoto/Jürgen Fromme

Neben Wasservögeln haben Experten 140 Vogelarten gezählt, die im Venn nisten und wandern, von denen 60 hier dauerhaft leben sollen. Auf dem fünf Kilometer langen Rundweg, der auch durch den lichten Wald am Rande des Hügels führt und immer wieder einen Blick auf die Wasseroberfläche freigibt, hört man zu jeder Zeit einen wohlklingenden Trick oder einen eindringlichen Ruf Jahr. – diese Heide ist ein Paradies für Vögel. (muensterland.com; bszwillbrock.de)

Wie Deutschlands Auen zum Klimakiller werden

Mehr als drei Viertel der deutschen Feuchtgebiete wurden zugunsten der Forst- und Landwirtschaft trockengelegt. Wissenschaftler und der Naturschutzbund warnen vor den Folgen einer solchen Austrocknung und raten zu einer Überprüfung.

Quelle: WELT/Katharina Kuhnert

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