Nach Kartoffelbrei-Attacke auf Monet: Museum öffnet wieder

Umweltaktivisten griffen wertvolle Kunst medial an. Museen sind gezwungen, ihre Sicherheitskonzepte anzupassen. Werden kulturelle Orte zu Hochsicherheitszonen?

Nach der Renovierung ist Claude Monets „Getreide“ wieder im Museum Barberini zu sehen.

Nach der Renovierung ist Claude Monets „Getreide“ wieder im Museum Barberini zu sehen.

David von Becker

Der «Gainstack» Die Münze hängt in ihrer ursprünglichen Position zurück. Auf einer anthrazitgrauen Wand mit weißem Sockel, flankiert von einer wadenlangen Barriere und flankiert von weiteren Coins der Serie „Les Meules“ („Heuhaufen“). Es gibt keinen Hinweis mehr darauf, dass radikale Linke das Gemälde mit Kartoffelpüree beschmiert hätten.

Am Sonntag vor einer Woche warfen radikale Klimaaktivisten der Gruppe „Last Generation“ im Museum Barberini in Potsdam Kartoffelpüree auf ein Gemälde von Claude Monet und blieben dann daran hängen. Sie wurden in Polizeigewahrsam genommen, aber noch am selben Tag wieder freigelassen. Der Schaden soll im fünfstelligen Bereich liegen, das Gemälde musste restauriert und der Raum neu gestrichen werden.

Der Gründer des Museums, Hasso Plattner, soll das fragliche Monet-Gemälde für über 100 Millionen Dollar gekauft haben. Der deutsche Unternehmer und Mäzen unterstützt mehrere städtische Projekte mit Millionenfinanzierungen.

Angriffe auf wertvolle Kunstwerke nehmen in europäischen Ländern zu. In London schütteten Aktivisten Tomatensuppe über Van Goghs Gemälde „Sonnenblumen“. Am vergangenen Wochenende saßen zwei Mitglieder der „Letzten Generation“ im Berliner Naturkundemuseum fest.

Nur ein Filzstreifen zwischen Glas und Gemälde habe größere Schäden verhindert, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider am Montag im Café des Museums. Ohne den Filzstreifen könnte die Zellstoffflüssigkeit die Leinwand beschädigen. Welche Gefühle lösen Angriffe auf Bilder in ihr aus? „Das ist ein großer Horror für uns“, sagt der Kunsthistoriker. Sie ist schockiert über die Aggressivität der Klimaaktivisten: „Das ist Gewalt.“ Laut dem Direktor des Museums ist es auch ein Ökosystem, das geschützt werden muss.

Nachdem sie das Kartoffelpüree geworfen hatten, blieben radikale Mitglieder der Gruppe The Last Generation unter dem Bild von Monet stecken.

Nachdem sie das Kartoffelpüree geworfen hatten, blieben radikale Mitglieder der Gruppe The Last Generation unter dem Bild von Monet stecken.

AP

“Ich denke, Mr. Monet würde es gefallen”

Nicht alle verurteilten den Angriff so scharf. Das Museum öffnet um 10 Uhr, kurz vor dem Eingang bildet sich eine lange Schlange. Eine Frau mittleren Alters bewertet die Aktion positiv, es müsse etwas passieren, sagt sie, während sie in der Schlange steht. Das Paar in den Fünfzigern ist anderer Meinung. “Ich glaube, Mr. Monet würde es gefallen”, sagt die Ehefrau, die als Anwältin arbeitet. Ihr Mann ist damit nicht einverstanden. Die Aktion sei “idiotisch”.

Die Landschaft, die auf die Einführung wartet, ist es wert, an diesem Tag gemalt zu werden. Das Museum Barberini befindet sich im historischen Zentrum von Potsdam, in der Nähe der Residenz von Bundeskanzler Scholz. Gegenüber dem Museum steht die Nikolaikirche, im Westen der brandenburgische Landtag im rosa gestrichenen Stadtschloss. Die Gäste kamen aus ganz Deutschland, in einigen Bundesländern ist heute wegen des Reformationstages frei.

Der Andrang ist groß, der Mann auf dem Fahrrad winkt beim Anblick der Seilbahn. Im Inneren stehen die Menschen manchmal so dicht wie vor der Krone. Jeder muss seine Taschen und Jacken im Rahmen des neuen Sicherheitsverfahrens spenden, der Antwort des Museums auf Monets Angriff. Auch das Sicherheitspersonal wurde sichtbar aufgestockt.

Fernsehkameras und Gäste wechseln sich vor Claude Monets restauriertem „Getreidesystem“ im zweiten Stock des Gebäudes ab. Wachleute beobachten die Gäste genau und wenden sich ab, wenn ihnen etwas merkwürdig vorkommt.

Ein gezeichneter Stift zieht die Aufmerksamkeit des Mitarbeiters in der Securitas-Jacke sofort auf sich. Stattdessen reicht er höflich einen Bleistift: “Man muss bei allem aufpassen.” Immer wieder ertönt in den Ausstellungshallen ein hohes Geräusch, wenn jemand den Gemälden hinter der Absperrung zu nahe kommt. Das Warnsignal wird normalerweise ausgelöst, wenn Personen mit dem Finger auf die Fotos zeigen.

Zivilklage für Kartoffelpüree

Die Kunstwelt ist besorgt. Nur eine Gehminute vom Barberini entfernt befindet sich das Potsdamer Stadtmuseum, dessen Mitarbeiter ebenfalls interessiert sind. Die Sicherheitsstandards sind bereits hoch, aber es laufen Gespräche mit Sicherheitsdienstleistern, um die Vorsichtsmaßnahmen zu verschärfen.

In den unteren Räumen befinden sich Werke des Surrealismus, die Skulptur „Evil Eye“ von Enrico Donati, Ölgemälde mit geschmolzenen Figuren, die den Gemälden von Salvador Dali ähneln. Viele Besucher nähern sich dem Rentenalter, aber auch Studenten, Touristen und Kinder sind im Museum, einige hören den Audioguide auf ihren Handys.

Das Museum Barberini wurde 2016 im Herzen Potsdams eröffnet.

Das Museum Barberini wurde 2016 im Herzen Potsdams eröffnet.

Helge Mundt

Die meisten Besucher, die nach dem Angriff auf Kartoffelpüree gefragt werden, sind ebenfalls besorgt über den Klimawandel, halten die Aktion jedoch für unangemessen. “Die politische Botschaft ist widersprüchlich”, sagt ein Mann in den Sechzigern in maisfarbener Jacke mit Einstecktuch. “Man kann nicht gleichzeitig die Welt retten und Kulturgut zerstören wollen.” Er und seine Frau kommen regelmäßig aus Berlin, ihnen gefällt die Präsentation des Museums.

Haben junge Menschen mehr Mitgefühl für Gleichaltrige, die auf den Straßen, Fotos und Autos auftauchen, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen? Ich glaube nicht. Eine 20-jährige Medizinstudentin schüttelt den Kopf: “Nein, mach das nicht”, sagt sie. Auch zwei Mannheimer Mittzwanziger kritisieren die Kartoffelpüree-Aktion: „Das ist der falsche Weg“, sagt ein Informatikstudent.

Mit welchen Konsequenzen rechnen Kartoffelbreiwerfer? Dies wird derzeit von Anwälten der Hasso-Plattner-Stiftung untersucht. Sie bereiten gerade eine Zivilklage vor – sagt der Direktor des Westheider Museums. Die Attacke übernimmt ein Kunsthistoriker, der Barberini seit 2016 betreut: „Es gibt schönere Dinge als einen Regisseur.“

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