Oleksii Makeiev: Der neue ukrainische Botschafter schlägt andere Töne an

ANlexii Makeiev kam zu seinem ersten großen öffentlichen Auftritt als neue ukrainische Botschaft in Deutschland nach Fulda. Die Barockstadt in Osthessen ist zwar das Zentrum des Landes, aber sicher nicht das politische Zentrum. Trotzdem bestieg Makeiev den Zug, um auf der Jahrestagung der Jungen Union (JU) in einem Hotel in der Nähe des Bahnhofs zu sprechen. “Wenn sie mich einladen, dann komme ich einfach”, sagt der Botschafter. Oleksii Makeiev ist ein anständiger Mensch.

Makeiev spricht fließend Deutsch. Und außerdem trifft es genau den richtigen Ton für sein Publikum. Denn Oleksii Makeiev hat einen ganz anderen Ton als sein Vorgänger Andrii Melnyk.

Natürlich spricht Makeyev von der Notlage seines Landes, davon, dass Millionen seiner Landsleute in der Kälte leben, ohne Strom oder Wasser, während das russische Militär die Infrastruktur seines Landes ins Visier nimmt, um die Bevölkerung zu dezimieren. Er spricht über den Tod und die Zerstörung, die Russland über seine Heimat bringt. Und er sagt: „Jedes Tor stärkt unser Siegesziel.“

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Oleksiy Makeyev, der neue Botschafter der Ukraine in Deutschland

Die erste besonders bewegende Anekdote, die Makejev erzählt, spielt sich jedoch in Deutschland ab. An diesem Tag im Zug nach Fulda. Es geht um drei Frauen und sieben Kinder, die alle kein Deutsch können, die nicht zurechtkommen, die haben keinen Platz. „Wir haben versucht, Plätze für sie zu finden. Ein paar Deutsche standen auf und sagten, wir würden uns woanders hinsetzen, damit die Gruppe zusammenbleiben könne. Das ist Solidarität, das ist perfekt. Danke dafür“, sagt Makejew ins Publikum. Und mit „ihr“ meint er die Deutschen.

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Viele von ihnen haben ein ungutes Gefühl, weil sich die Bundesregierung nicht wirklich als großer Unterstützer des ukrainischen Militärs hervorgetan hat. Denn es wurde immer wieder diskutiert, ob schwere Waffen geliefert werden sollen, die eigentlich schwere Waffen sind. Und dann hat es ewig gedauert, die ersten Systeme zu implementieren. Nur wenige tausend Helme wurden schnell verschickt. Und sie wurden von der Ampelkoalition ausgiebig gefeiert. Amerikaner, Polen oder Balten stritten nicht endlos. Sie haben schnell geliefert.

Deshalb gab und gibt es viel Kritik an der Bundesregierung. Im Ausland, hauptsächlich aus der Ukraine. Besonders stark als Makeevs Vorgänger Melnyk. Makejew hingegen kritisiert nicht, entblößt nicht, fordert nicht einfach mehr Waffen. Er lobt Deutschland und seine Menschen. Er schmeichelt. „Helfende Hände, Schultern zum Anlehnen, das sind die ersten Begriffe, die mir hier begegnet sind“, sagt er.

Mit Andrij Melnyk durch Kiew laufen

Unser Reporter Ibrahim Naber traf den ehemaligen Botschafter der Ukraine Andrii Melnyk in einem Park in Kiew zum Joggen. Melnyk wird derzeit für einen Posten im dortigen Außenministerium in Betracht gezogen. Es beschreibt die Stimmung in der Hauptstadt der Ukraine.

Quelle: WELT / Ibrahim Naber

Die rund 1.000 Teilnehmer des Deutschlandtages der Jungen Union können kaum glauben, was sie da hören. Wie viele im Land sind Sie es gewohnt, wegen der deutschen Ukraine-Politik unter Beschuss zu geraten. Aber Botschafter Makeyev dankt “den Deutschen, die meine Landsleute akzeptiert und beschützt haben”. Er sagt Sätze wie: „Hier in Fulda und überall in Deutschland schlagen die Herzen blau und gelb, das spüre ich.“

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Am Ende seiner Rede brach minutenlanger Applaus aus, und die jungen Delegierten schwenkten begeistert ukrainische Fahnen. Dort wird dem Botschafter applaudiert, verspottet, zugeschrien und gefeiert. Makejew steht ruhig, aufrecht und leicht nach vorn auf der Bühne. Er lächelt ein wenig und legt eine Hand leicht auf sein Herz. Das klingt nicht pathetisch. Es hat Würde, Stil.

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Makejev kennt sich in der internationalen Szene aus, er gilt als Experte für internationale Beziehungen. Der 1975 in Kiew geborene Politologe trat mit 21 Jahren in den diplomatischen Dienst ein, mit Stationen in den diplomatischen Vertretungen seines Landes in der Schweiz und in Deutschland. 2014 wurde Makejew politischer Direktor des Außenministeriums der Ukraine, 2020 Sonderbeauftragter für Sanktionspolitik. Aber der Mann für Hot Spots weiß offenbar auch mit Menschen außerhalb der Machtkreise umzugehen.

Makejew wird hart für mehr Waffenlieferungen kämpfen

Er lobte in Fulda nicht nur, dass die deutsche Führung seit Kriegsausbruch viel für sein Land getan habe. Dass deutsche Waffenlieferungen eine Schlüsselrolle dabei spielen würden, den Krieg zu gewinnen und buchstäblich Leben zu retten. Auf weitere Waffenlieferungen pocht er nicht mit Brecheisen und Vorwürfen, sondern mit Charme und Humor.

„Ich habe die fantastische Tierwelt Deutschlands kennengelernt: Leoparden, Marder und Füchse“, scherzt Makejew in Anspielung auf die gleichnamigen Panzer der Bundeswehr. “Vielleicht klingt es hier ziemlich grün, aber ich bin dafür, diese ‘Tiere’ freizulassen”, sagt der Botschafter. Eine schöne Umschreibung der Anfrage: Lieferung von Panzern.

Oleksii Makeiev wird in dieser Frage wahrscheinlich genauso mit der Bundesregierung streiten wie sein Vorgänger. Einfach anders. „Ich werde weniger über die Presse sprechen und lieber direkt mit der Regierung sprechen“, sagt er WELT. – So entsteht Vertrauen.

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