Pinguine und Wale in Gefahr: Antarktis-Tagung ohne Einigung | Freie Presse

Zwei Wochen lang kämpften Delegationen aus aller Welt für die Antarktis. Auch hier wurden keine Fortschritte erzielt. Experten sind zunehmend frustriert.

Hobart

Die von Naturschützern und Forschern dringend geforderte Ausweisung neuer Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer ist erneut gescheitert. Die 41. CCAMLR Antarctic Commission Conference ist am Freitagabend (Ortszeit) im australischen Hobart ohne den erwarteten Erfolg zu Ende gegangen, teilte die Antarctic and Arctic Ocean Society (ASOC) mit. Es gab auch keine Einigung über strengere Fangmaßnahmen. Umweltschützer sind zunehmend frustriert über die Sackgasse. Resolutionen scheitern seit Jahren am Widerstand Russlands und Chinas, so auch in diesem Jahr.

„Die letzten nahezu unberührten Flecken unseres Planeten liegen im Südpolarmeer. Diese einzigartigen Ökosysteme sind im Kampf gegen die Klimakrise von unschätzbarem Wert“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Jem Özdemir (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Für große Schutzgebiete heißt es also „fünf vor zwölf“ – vor allem um die Biodiversität zu erhalten.

Özdemir betonte: Die jahrelange Blockade Russlands beweise einmal mehr, dass Russland kein Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft habe. Moskau und Peking diskutieren nicht über Wissenschaft, sondern nutzen nur schützenswerte Ressourcen.

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Der Konsens ging verloren

Insbesondere gibt es seit Jahren über drei Meeresschutzgebiete mit einer Fläche von rund vier Millionen Quadratkilometern – in der Ostantarktis, auf der Antarktischen Halbinsel und im artenreichen Weddellmeer. 25 von 27 Mitgliedern befürworten dieses Projekt. Entscheidungen der CCAMLR müssen jedoch einstimmig getroffen werden.

Green-Ocean-Expertin Franziska Salman sprach vom „harten, aber leider vorhersehbaren Scheitern des Meeresschutzes“. Mit ihrem Scheitern hinkt die Kommission ihrem selbst gesteckten Ziel, ein Netz von Schutzgebieten zu schaffen, zehn Jahre hinterher. Er forderte, dass Entscheidungen in Schutzeinrichtungen nicht nach dem Einstimmigkeitsprinzip getroffen werden sollten.

Kurz vor Beginn der Konferenz hat der Deutsche Bundestag einstimmig für die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets im Weddellmeer gestimmt. Das Schutzgebiet wird das größte Meeresschutzgebiet der Welt sein. Das Weddellmeer beheimatet viele Arten, die sich auf die rauen Bedingungen des Eislebensraums spezialisiert haben – wie Seehecht, Krill und Kaiserpinguine. Seit 2016 wird die Ausweisung als Schutzgebiet regelmäßig durchgesetzt.

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Es geht um die Grundlagen des Lebens

Daniel Schneider, Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion, sagte, der Schutz der Antarktis sei nichts weniger als der Schutz unserer Lebensgrundlagen. Davon müssen auch China und Russland überzeugt werden – hoffentlich in naher Zukunft.”

Asoc fuhr fort: Beim Treffen wurde keine Einigung über den Schutz des größten bekannten Eisfischbrutgebiets der Welt mit etwa 60 Millionen Nestern erzielt. Das Brutgebiet wurde Anfang dieses Jahres von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts entdeckt, das die Polarforschung in Deutschland koordiniert.

Ein weiteres wichtiges Thema des CCAMLR-Treffens war die Krillfischerei. Auch hier gab es keine Fortschritte. Obwohl die Auswirkungen des Krillfangs nun wissenschaftlich bewertet werden müssen, wurden strengere Fangmaßnahmen nicht beschlossen. Fischöl und Fischfutter werden aus kleinen Krebstieren hergestellt. Aber Krill ist auch sehr wichtig für das Ökosystem und die Lebensgrundlage von Walen, Pinguinen und Robben. „Antarktischer Krill trägt zum globalen Kohlenstoffkreislauf bei, indem er jährlich Millionen Tonnen Kohlenstoff speichert, und ist eine Schlüsselart im marinen Nahrungsnetz der Antarktis“, sagt WWF-Forscherin Emily Greely.

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Eine der wenigen guten Nachrichten ist, dass CCAMLR der Liste der „gefährdeten Meeresökosysteme“ (VME) acht neue Gebiete hinzugefügt hat, heißt es in der ASOC-Erklärung. Das bedeutet, dass das Fischen mit Fanggeräten, die den Meeresboden berühren, in diesen Gebieten verboten ist. VMEs sind Bereiche des Meeresbodens mit Arten, die besonders anfällig für Störungen sind, wie Korallen und Schwämme. Sieben der acht VMEs wurden allein Anfang dieses Jahres während einer Greenpeace-Expedition zur Antarktischen Halbinsel entdeckt. Das Übereinkommen zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) wurde 1980 gegründet. Diese Kommission besteht aus 26 Ländern und der Europäischen Union. (dpa)

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