Streit um Bootsmigranten: Deutscher Kapitän «wütend»

Joachim Ebeling, Kapitän des Rettungsschiffes Joachim Ebeling, Kapitän des Rettungsschiffes

Joachim Ebeling, Kapitän des Rettungsschiffes „Humanity 1“ unter deutscher Flagge, während einer Pressekonferenz im Hafen von Catania.

Quelle: Salvatore Cavalli/AP/dpa

“So etwas habe ich noch nie erlebt”: Nicht alle geretteten Migranten im Hafen von Catania dürfen das deutsche Rettungsschiff “Humanity 1” verlassen. Die Situation auf dem Schiff wird immer schwieriger.

DDeutsche Seenotretter an Bord des in Sizilien vor Anker liegenden Schiffes „Humanity 1“ sehen sich durch umstrittene Maßnahmen Roms in ihrem Auftrag bestätigt.

Der Schiffsbesatzung ist es bislang untersagt, die letzten 35 der knapp 180 Geretteten in der Hafenstadt Catania von Bord zu gehen. Viele sehen darin eine Schikane der rechten Regierung, um Migranten vom Mittelmeer fernzuhalten. Kapitän der Menschheit Joachim Ebeling will sich davon nicht einschüchtern lassen. „Was wir hier jetzt erleben, lässt mich nicht daran zweifeln, dass ich so etwas noch einmal machen würde“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. “Das bestätigt, dass wir hier das Richtige tun.”

Der Kapitän aus Bremen steuerte das Schiff nach tagelangem Warten am Wochenende in den Hafen von Catania. Minderjährige, Frauen und einige Männer, die als bedürftig eingestuft wurden, durften dort aussteigen. Ebeling sollte den Hafen mit 35 verbleibenden verlassen. Er lehnte ab, weil nach internationalem Recht alle Geretteten ins Land dürfen.

So etwas habe ich noch nie gesehen, sagte er. Bei anderen Missionen in der Vergangenheit war es schwierig, die Erlaubnis zu bekommen, Menschen in den Hafen zu bringen. „Aber wenn doch, dann kamen wirklich alle Leute an Land und es gab nicht die Art von Selektion, die wir hier jetzt erleben.“

Die Situation auf dem Schiff wird immer schwieriger – ebenso wie auf dem Schiff „Geo Barents“ der Organisation Ärzte ohne Grenzen, das ebenfalls in Catania schmolz und am Montag drei Migranten verzweifelt ins Meer sprangen, um an Land zu schwimmen. Wenn ich sehe, dass ich Leute an Bord habe, die das Recht haben, an Land zu gehen, aber die Behörden sie daran hindern, dann bin ich einfach sauer, sagte Ebeling. Gegen geltendes Recht wurde verstoßen.

Rettern drohen Bußgelder, wenn sie die Anweisungen der Behörden weiterhin missachten. Für die Organisation SOS Humanost sind bereits Anwälte tätig. Ebeling lässt sich von dem Gerichtsverfahren offensichtlich nicht abschrecken. Es war mir immer unmöglich, Menschen ertrinken zu lassen und ihnen nicht zu helfen, wenn sie Hilfe brauchten, sagte er. „Ich freue mich sehr, dass ich nun als Seemann durch die Mitarbeit in Nichtregierungsverbänden aktiv dazu beitragen kann.

Source

Auch Lesen :  Kalenderblatt 2022: 5. Dezember - WELT

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button